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 Kunst

Die Bilder in der Praxis und die Bildausschnitte auf der Webseite sind
von Thomas Habedank

Maler und Grafiker aus Berlin- Friedrichshagen
Bölschestr. 11, 12587 Berlin Tel: 0157-739 4590
 

Biographie

1955 in Eisenhüttenstadt geboren

1972 Lehre als Agrotechniker

1974-76 Mosaiksetzer

1978-80 Studium an der Fachhochschule für Werbung

und Gestaltung in Berlin-Schöneweide

1980-85 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden

Diplom für Malerei und Grafik bei Prof. Horlbeck

1985-92 freischaffend als Maler und Grafiker in Berlin-Friedrichshagen

Mitglied im Verband Bildender Künstler Berlin

Kursleiter für Malerei und Grafik im Klub F.C. Weißkopf in Rahnsdorf

1992-1994 Kunstfabrik Köpenick

1995 halbjähriges Stipendium der Stiftung Kulturfond

seit 1995 Bildhauerische Tätigkeit im Flussbad Gartenstraße

und Kursleiter in der Jugendkunstschule Köpenick

seit 1996 Studienaufenthalte in Irland, Litauen, Georgien und Spanien

1998 Projekt "Neue Kultur" Kulturring e.V.

1999 Stipendium im Künstlerhaus Lukas

2000-2002 Kinder- Kunst-Werkstatt

seit 2003 wieder freischaffend

seit 2008 Atelier und Arbeit in der Uckermark

Einzelausstellungen und Austellungsbeteiligungen

 

INTERVIEW MIT THOMAS HABEDANK

Ein Künstlerkollege sagte einmal, dass die Schranken der Malerei allein die vier Ränder des Blattes sind. Kannst Du dem zustimmen?

Ja, aber ich denke, dass man sogar die Ränder öffnen kann, etwa in den Raum hinein oder über den Rand hinaus. Farbe kann man überall anbringen. Heute geht alles ineinander über, Malerei, Plastik, Architektur.

Aber ist die eigne Art zu malen, seine Herkunft aus einer bestimmten Maltradition nicht bereits eine Festlegung?

Natürlich gibt es innere, geistige Grenzen. Irgendwann sucht man sich bewusst eine Begrenzung. Ich denke an den magischen Würfel, der in seinen vielen Kombinationsmöglichkeiten grenzenlos scheint. Man kann nicht in die Unendlichkeit hinein malen. Man findet seinen Platz, legt sich fest, um zu einer Konzentration zu kommen. Das Spiel dient als Einstieg. Man kann nicht alles machen, Portrait malen und dann noch Landschaft. Mein Thema sind innere Sichten, geschaut durch einen Filter.

Deine neueren Bilder gehen in Richtung des Zeichnerischen. Die schweren Farbschichten, wie sie Deine früheren Teppichbilder auszeichnen, sind durchsichtiger geworden. Gleichsam durch ein Prisma gebrochen, scheinen in die Zeichnung aufgelöst zu sein. Ist das eine Tendenz von der Malerei zur Zeichnung zurück?

Von Tendenz möchte ich nicht sprechen. Ich habe mich schon immer geweigert, Malerei und Zeichnung zu trennen. Am Ende interessiert, was da ist. Ich stelle immer wieder fest, dass ich das Material sehr liebe. Es sind unterschiedliche Materialien, mit denen ich frei umgehen kann, etwa Bretter, Holz, Teppiche oder Blei. Darin liegt eine wichtige Anregung.

Man kommt in Dein Atelier und sieht ein gelbes Bild, am nächsten Tag ist es grün, am dritten Tag wieder weiß. Schichten über Schichten lagern sich in Deinen Bildern ab, ehe sie fertig sind. Wie würdest Du diesen Entstehungsprozess beschreiben?

Du spricht eine Arbeit an, die ich gerade fertig stellen möchte. Ich versuche über fünf verschiedene Blätter zu diesem einen Bild zu gelangen. Ich suche dabei nach einem Ton, den ich als Grundklang haben möchte. Das entscheidet sich an den fünf Blättern, an denen ich parallel arbeite. Irgendwann kommt der Punkt, an dem ich sage: Das ist es. Ich möchte nicht vorwegnehmen, ob die Arbeit rot oder blau ist. Es entstehen Mischungen, die ich nicht voraussehen kann. Darin liegt gerade der Reiz.

Wann ist ein Bild fertig? Gibt es einen solchen Zustand überhaupt?

Dieser Punkt ist erreicht, wenn alles trifft, das Bild mit dem eigenen Gefühl, Instinkt übereinstimmt. Vielleicht kann man von einer Art innerer Linse, einem inneren Auge sprechen.

Fällt damit nicht jeder Anfang eines Bildes schwer, wenn man immer wieder vom Nullpunkt beginnt? Ist es jedes Mal ein Experiment?

Ja, jedes Bild ist ein Neubeginn. Aber das Wort Experiment gefällt mir nicht. Es ist ein Weg, man bleibt stehen, dann entsteht etwas. Das Bild ist nicht vorher im Kopf, das man dann abmalt. Erst während des Malens, im Gespräch mit dem Bild, kommen Impulse.

Deine Bilder erschließen sich nicht auf den ersten Blick. Es ist etwas Verborgenes, Rätselhaftes enthalten, zu dem man nur allmählich Zugang erhält. Meidest Du bewusst das zu Eindeutige, Klare?

Es ist wie mit einem Menschen, den man kennen lernt. Er erschließt sich auch nicht auf Anhieb. Begegne ich ihm auf der Straße, sehe ich zunächst nur sein Äußeres. Ich muss fragen, er antworten und umgekehrt. Wenn sich der andere öffnet, ist es eine Bereicherung. Das läuft anders als im Fernsehen, wo alles vorgesetzt wird. Die Bilder geben Rätsel auf, sie dürfen nicht offensichtlich sein. Es geht nicht um das einfache Gefallenwollen.

Was hältst Du im Gegenzug von Kunst, die unmittelbar schockieren will? Ich denke an die Ausstellung „Sensations“ im Hamburger Bahnhof. In der heutigen Medienkultur wollen die Leute doch offenbar geschockt werden, sonst merken sie nicht auf?

Von Schock halte ich gar nichts. Der kommt und vergeht genauso schnell wieder. Die Ausstellung „Sensations“ fand ich billig, nicht wirklich schockierend. Dennoch arbeite auch ich gern mit auffälligen Farben, zum Beispiel ein giftiges Rot, ein künstliches Blau. Gegen Neon- oder Lichtfarben habe ich auch nichts. Ich entdecke darin eine Disharmonie, die mir manchmal entgegenkommt. Aber das Auffällige darf nicht vordergründig werden.

In Deinen Bildern sieht man oft Netze, Verstrickungen von Linien, die sich nicht aufzulösen scheinen. Ist das ein Sinnbild für die Welt oder lediglich ein Spiel der Formen?

Die Netze sind zunächst ein Zeichen der Suche. Aus ihren Strukturen erwachsen die Dinge. Früher habe ich mich mit der Gegebenheit „Käfig“ beschäftigt, vielleicht kommt das unbewusst durch. Es ist überhaupt eine Sache, die in jedem steckt. Man befindet sich in einem Raum, in dem viele Türen sind. Man kann sie öffnen oder auch nicht, man hat möglicherweise Angst, sie zu öffnen. Was ist hinter jeder oder hinter dieser einen Tür? Manchmal ist es so, dass man hinausgehen möchte und es dennoch nicht tut. Die Türen bleiben zu.

Kann das mit den eigenen Bildern passieren, dass die Türen geschlossen bleiben?

Das wäre die Begrenzung, die in einem selbst liegt. Jedes Bild ist im Grunde ein Versuch, aus diesen Netzen auszubrechen. Ich habe in Bildern des Öfteren eine Leiter verwendet, eine Leiter, um herauszukommen aus den netzartigen Gebilden.

Neben den Netzen stößt man bei Dir häufig auf phantastische Gestalten – Geschöpfe, halb Mensch, halb Tier, organische Körper auf Säulenbeinen, urtümliche Wesen, die aus vorhistorischen Zeiten zu stammen scheinen. Woher beziehst Du die Anregungen für diese Wunderlichkeiten?

Das sind Bilder, Fiktionen, die auf den Blättern spontan entstehen. Ein jedes Kind hat solche Phantasien. Daran ist nichts Verwunderliches. Es ist ein gewisses Repertoire, das man im Laufe der Zeit zur Verfügung hat, darüber hinaus kommt Neues hinzu. Es gibt Zeichen, die ich wiederholt verwende, beispielsweise das Pferdmotiv. Um auf die Anregungen zurückzukommen: Ich beziehe sie zum Beispiel aus Landschaften. Im Grunde fließt alles, was ich erlebe, in die Bilder ein. Wichtig sind für mich die Umstände, der Ort, wo ich male. Der Ort prägt wesentlich meine Bilder.

Eine Ausstellung von Dir hieß „Neue Krakeleien“. Das klingt nach Kinderzeichnung, vielleicht auch Primitivität. Steht dahinter ein Streben nach elementaren Formen oder war der Titel nur eine Provokation?

Die dort gezeigten Arbeiten würde ich nicht als kindlich, primitiv beschreiben. Der Titel war eine Ironie – auch in der Hinsicht, dass viele sagen: Solche Zeichnungen können auch meine Kinder machen. Das Kind wird sie so aber nicht machen. Die Art, unbefangen zu malen, zu krickeln, ist etwas, was ich mir erhalten habe. Es ist ein spielerischer Ausgangspunkt.

Eine letzte Frage: Kann man in dieser Zeit, die so prosaisch und unschön geworden ist, überhaupt noch schöne Bilder malen?

Schöne Bilder als Ziel interessieren mich nicht. Was für mich schön ist, kann für andere hässlich sein. Man arbeitet aus einem inneren Antrieb, aus einer großen Frage heraus und nicht, um den Geschmack der Leute zu bedienen. Wenn man an einem Bild arbeitet, interessiert das Geheimnis, nicht das Endziel Schönheit. Ich versuche in Kontrasten zu arbeiten: Ruhe – Unruhe, Hell – Dunkel, Konzentration – Auflösung. Das sind die Grundelemente. Das Schöne ist nicht die Lösung des Geheimnisses, des Rätsels. Heutzutage hat es oft den Anstrich des Perfekten, Ausgestellten. Gerade das nach außen Perfekte, das Geschönte, wo alles stimmig ist, will ich nicht.